Meinung

Zum Treffen von Trump und Kim Jong Un in Singapur

 

11. Juni 2018 - Liest man die deutsche und internationale Presse zum Gipfeltreffen in Singapur, entsteht das Gefühl in einem Zug zu sitzen, der in eine ganz bestimmte Richtung fährt. Diese Richtung hat man aber selbst gar nicht ausdrücklich gewählt und es werden auch keinerlei Informationen über die Richtung selbst geboten. Sie wird in den Medien stillschweigend als selbstverständlich vorausgesetzt.  


Da trifft sich der „Machthaber“ oder der "Diktator" Kim mit dem US-Präsidenten. Es geht um die Entscheidung des US-Präsidenten darüber, ob Nordkorea Atomwaffen besitzen darf oder nicht. Diese Ausgangslage wird als legitim vorausgesetzt.  


Sie ist es aber nicht!  


Jedes Land hat das Recht auf Selbstverteidigung. Die USA, die Nordkorea den Besitz von Atomwaffen untersagen wollen, sind selbst im Besitz des größten Atomwaffenpotentials der Erde. Die US-Regierung war die erste und bisher einzige, Atombomben über zwei Städte abwerfen zu lassen, die sofort über 70.000 Zivilisten töteten. Dieses Verbrechen wird bis heute fälschlicherweise als kriegsverkürzend gerechtfertigt. Woher nimmt die US-Regierung die Legitimität, von Nordkorea die Abschaffung von Atomwaffen zu fordern?  


Vor der Haustür von Nordkorea sind in Südkorea Tausende von US-Soldaten stationiert. Wie würde die US-Regierung die Stationierung von tausenden Soldaten aus Nordkorea z.B. auf Kuba oder in Mexiko bewerten?  


Atomwaffen sind grauenhafte Massenvernichtungswaffen, zu denen es nur eine einzige legitime Forderung gibt: Verbot und Vernichtung aller Atomwaffen!  


Solange dieses Ziel nicht erreicht ist, muss der Besitz von Atomwaffen mit der glaubhaften Verpflichtung verbunden sein, niemals als Erste Atomwaffen einzusetzen. Dies erklärte das sozialistische China unter Mao Tsedong. Eine solche Verpflichtung ist von Nordkorea zu fordern, die das bisher so en passant erklärt haben. Eine solche Verpflichtung ist ebenso von der US-Regierung zu fordern, die das bisher abgelehnt hat.  


Nordkorea fühlt sich von der US-Politik bedroht und Südkorea von Nordkorea. Also kann ein Friedensvertrag regeln, dass Nord- und Südkorea ihre mögliche Wiedervereinigung selbst und friedlich regeln, dass alle ausländischen Truppen aus der Koreanischen Halbinsel abgezogen werden, dass die Sicherheit von Nord- und Südkorea durch mehrere Garantiemächte garantiert wird und dass auf dieser Grundlage die Koreanische Halbinsel atomwaffenfrei wird.


Thomas Quest

quest(at)quest-trends.de

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