Anforderungen an Sensoren in der N&G-Industrie

Die Anforderungen an Sensoren aus Sicht der N&G-Industrie entsprechen auf den ersten Blick den Erwartungen. Auf den zweiten Blick hingegen zeigen sich eine Reihe von Differenzierungen.

Die Schwerpunkte der Anforderungen

20. Juni 2010 - Die Produktkriterien zu Sensoren sind natürlich von den hohen Hygieneanforderungen in der N&G-Industrie geprägt.

Mit 65% dominiert bei zwei Drittel aller Nennungen die hohe Schutzart der Sensoren.

Edelstahlausführungen bei Sensorgehäuse oder Leitungsführungen wie die Anforderung, dass die Sensoren an der Maschine „gut zu reinigen sein müssen“ machen 27% der Nennungen aus.

Spezieller Leitungsmantel wie ex-geschützte Ausführung kommen zusammen auf 8% der Nennungen.

Anforderungen der Nahrungsmittelindustrie an Sensoren.
Quelle: Marktuntersuchung von Quest TechnoMarketing in der deutschen Nahrungsmittelindustrie.

Hohe Schutzart differenziert sich

Die Differenzierung betrifft einmal unterschiedlich hohe Schutzarten.

  • „Mindestanforderung für Komponenten im Feld ist IP 54 bzw. IP55. Insbesondere für die Sensorik wird überall dort, wo Feuchtigkeit ist und wo Gase entstehen können, also auch in der Gärung und Reifung IP 65/IP67 eingesetzt. Dies betrifft auch die Abfüllung.“ (Getränkeindustrie)
  • „Obwohl IP 65 bereits schon eine sehr hohe Schutzklasse ist, haben einige Hersteller bereits IP 66, was für den laufenden Betrieb vorteilhaft ist. Man hat viel Probleme mit der Kondensation und heiß/kalt-Temperaturwechsel. So setzt man insbesondere Sick Lichtschranken/-taster mit eingebauten Heizungen ein.“ (Fleischindustrie)
  • „Neben bestimmten hygienetechnischen Auflagen, die zu erfüllen sind, muss vor allem ein sehr hoher Schutz gegen Feuchtigkeit gewährleistet sein. Schutzart IP 68 oder gar 69 wäre gar nicht schlecht, das Minimum ist jedoch IP 65.“ (Fleischindustrie)


Unterschiedliche Schutzarten zeigen sich für den Nass- und Trockenbereich.

  • „Man unterscheidet den Nassbereich vom Trockenbereich, beide haben unterschiedliche Anforderungen. Im Nassbereich in der Abfüllung wird der Füller sauber und alkalisch gemacht, dies geschickt mit Druckwasser und viel Chemie. Deshalb fordert man hier IP69 k oder IP 67. Zwar funktioniert hier auch IP 65, z.B. bei Lichtschranken, aber man hat festgestellt, dass die Lichtschranken mit höherer Schutzart zwar teurer sind, dafür aber auch länger halten. Deshalb achtet man bei der Anlagenausführung darauf, dass diese Schutzart hier auch tatsächlich verbaut wird. Dagegen unterliegen die Komponenten im Trockenbereich eher der großen mechanischen Beanspruchung, weil hier mal Paletten auf die Sensoren fallen.“ (Getränkeindustrie) 
  • „Aggressive Reinigungsmittel spielen im Nassbereich eine Rolle, daher sollten die Komponenten Strahlwasser-geschützt sein. Dort, wo es nötig ist, fordert man Schutzart bis IP 67.“ (Fleisch-, Fischindustrie)

Edelstahlausführung für speziellen Einsatz

Vereinzelt tritt der Wunsch auf, „alles in Edelstahl“ zu haben.

  • „Am liebsten hätte man alles in Edelstahl“. (Fischindustrie)


Überwiegend aber sind Edelstahlausführungen aus Sicht der Entscheider speziellen Einsatzfällen vorbehalten.

  • „Teilweise ist V4-Gehäuse bei Sensoren am Füller wichtig.“ (Getränkeindustrie)
  • „Auch bei Sensoren, die mit dem Produkt Berührung haben, ist Edelstahl VA vorgeschrieben. Dies betrifft insbesondere den Bereich, wo die Chips in die Röstmaschine kommen. Hier gibt es viel Zuführrinnen, Transportbänder und Vibrationsrinnen. Bei den Packmaschinen dagegen ist die Edelstahlausführung nicht mehr gefragt. Insgesamt sind etwa die Hälfte der Maschinen von den Anforderungen an Edelstahlausführung betroffen“. (Backgewerbe)

Gut zu reinigen

In den allgemeinen HACCP-Hygienevorschriften ist dieser Punkt enthalten:

  • „Produktkriterien richten sich 1. (nach) Wasserschutz, 2. nach Hygiene-Design, also danach, ob man die Dinge gut reinigen kann. Von diesen Kriterien sind lediglich die Regler ausgenommen, die im Schaltschrank sitzen, aber alle motornahen Regler und die Sensorik müssen diese Kriterien erfüllen.“ (Fleisch-, Fischindustrie)
  • „Hier könnte ich mindestens 20 verschiedene Sachen je nach Aggregat und Einsatzgebiet nennen. Die Hygieneaspekte sind insbesondere für die Abfüllung wichtig. Hier dürfen keine "Dreckecken" auftreten. So lagen beispielsweise  beim letzten Projekt die Anforderungen wegen der Empfindlichkeit gegen Spritzwasser im Brauhaus für die Ausgangsmodule bei Schutzart IP68.“ (Getränkeindustrie)

Spezieller Leitungsmantel

Ein spezieller Leitungsmantel soll verhindern, dass das Kabel der Sensoranschlussleitung nach einiger Zeit spröde wird.

  • „Es gibt insbesondere Kabelprobleme. Meist werden nach 1-2 Jahren die Kabel spröde. Wenn neue Kabel drüber gezogen werden, reißen beim Anschlusskabel des Sensors meist die Isolierungen auf.“ (Backgewerbe)


Ein weiterer Aspekt betont die Erfahrung, dass Stecker direkt am Sensor der Hochdruckreinigung nicht lange stand halten.

  • „Weiterhin darf bei der Kabeleinführung kein Wasser eintreten. Zur Zeit bietet der Markt nur 2 Sensorversionen; eine mit einer Kabeleinführung und 4 m Kabel oder eine andere mit dem Stecker direkt am Sensor; ein Zwischending wäre hier schön, denn wenn der Stecker direkt am Sensor ist, hält er im Hochreinigungsbereich nicht lange stand, beim Austausch möchte man dagegen nicht die gesamte Kabellänge durchführen müssen.“ (Fleisch-, Fischindustrie)


Diese Ergebnisse basieren auf Gesprächen mit 120 der 415 großen Unternehmen (=29%) in den sechs umsatzstärksten Branchen der N&G-Industrie.

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