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Umsatz je Beschäftigten signalisiert Stand der Krisenüberwindung

Krisenindikator im Maschinenbau liegt 2019 nur noch um 4,7% über Vorkrisenniveau

Update 10. Juni 2020 - Die Maschinenbauer hatten und haben immer noch erheblich zu kämpfen, den tiefen Fall von Produktion und Umsatz durch die Weltwirtschaftskrise zu überwinden.

 

Das gilt auch elf Jahre nach Ausbruch dieser Krise. Die Tiefe dieser Krise wie ihre Dauer gehören zu den strukturellen Veränderungen, die sich im Verlauf der Industrieproduktion in den führenden Industrieländern seit dem Jahr 2000 entwickelt haben.

 

Wie die Branchenanalyse aufzeigt, setzt sich der Maschinenbau aus Firmen mit ganz unterschiedlicher Größenordnung zusammen.

 

Wir möchten jetzt aufzeigen, wie die Firmen je nach Betriebsgröße um die Überwindung der Krisenfolgen kämpfen und welche Firmengrößen sich dabei leichter tun.

Maschinenbaufirmen nach Betriebsgröße unterschieden

Dazu unterteilen wir den Maschinenbau in sechs Betriebsgrößenklassen gemäß den Zahlen des Statistischen Bundesamtes für 2019 1. Das sind Maschinenbaufirmen mit

  • weniger als 50 Beschäftigten (40% der Maschinenbaufirmen 2019)
  • 50 bis 99 Beschäftigten (24%)
  • 100 bis 249 Beschäftigten (21%)
  • 250 bis 499 Beschäftigten (9%)
  • 500 bis 999 Beschäftigten (4%)
  • 1.000 und mehr Beschäftigten (2%).

Umsatz je Beschäftigten signalisiert Stand der Krisenüberwindung

Die Kennzahl, die uns die Überwindung der Krisenfolgen verdeutlichen soll, ist der Umsatz je Beschäftigten. Die Beschäftigten in den Maschinenbaufirmen arbeiten mit vollem Einsatz. Der Umsatz dagegen, den sie erwirtschaften, hängt maßgeblich von den weltweiten Marktbedingungen ab.

 

Konnte nun der Umsatz je Beschäftigten über das Niveau von vor der Krise hinaus gesteigert werden? Und in welchem Maße ist dies gelungen?.

Krisenindikator sinkt 2019 deutlich und nähert sich Vorkrisenniveau an

Die Grafik zeigt das Ergebnis für den gesamten Maschinenbau. Der Umsatz je Beschäftigten ist für 2008 gleich 100 gesetzt, so dass auf einen Blick deutlich wird, liegt diese Kennzahl nun über, auf oder unter dem Vorkrisenniveau.

 

Das Ergebnis: Der Umsatz pro Beschäftigten konnte 2014 das Vorkrisenniveau (=100) mit 100,5 erstmals sehr knapp übertreffen und damit das Ende der Krise im Maschinenbau bestätigen.

 

In den folgenden drei Jahren stieg der Krisenindikator weiter mit wachsenden Raten bis er 2017 und 2018 auf einem Plus von 7% bzw. 7,1% stagnierte.


2019 sinkt der Krisenindikator auf 104,7 Indexpunkte, das heißt er nähert sich wieder dem Vorkrisenniveau von 2008 an. Dies entspricht dem krisenhaften Rückgang des Umsatzes im Maschinenbau, der im Juni 2019 einsetzte.

Umsatz je Beschäftigten im Maschinenbau 2008 bis 2019 als Krisenindikator


Ein differenzierteres Bild bieten die Ergebnisse in den sechs Betriebsgrößen.

Maschinenbaufirmen mit 500 bis 999 Beschäftigten mit bestem Werten des Krisenindikators 2019

Der Krisenindikator als Umsatz pro Beschäftigten bildet wieder für jede Betriebsgrössenklasse den Wert 100 für 2008.


Der Prozess der Krisenüberwindung verlief in den einzelnen Betriebsgrößenklassen unterschiedlich erfolgreich. Dazu vergleichen wir den Krisenindikator der Betriebsgrössen mit dem Durchschnittswert des Maschinenbaus in Höhe von 104,7.


Drei Betriebsgrössenklassen bewältigen überdurchschnittlich gut die Krisenfolgen:

  • Größere Firmen mit 500 bis 999 Beschäftigten
  • Kleinere Firmen mit weniger als 50 Beschäftigten
  • Firmen mit mehr als 50 bis 99 Beschäftigte.


Am erfolgreichsten konnten die Maschinenbaufirmen mit 500 bis 999 Beschäftigten (hellblaue Linie) die Krise überwinden. Ihr Krisenindikator übertraf bereits 2011 (104,9) das Vorkrisenniveau, stieg seitdem kontinuierlich an und erreichte 2019 mit 119,9 den bisher höchsten Wert aller Betriebsgrössen.

Die kleineren Maschinenbau-Firmen mit weniger als 50 Beschäftigten (dunkelbraune Linie) erreichen ebenfalls einen überdurchschnittlichen Krisenindikator von 108,5 und signalisieren damit ihre überdurchschnittliche Fähigkeit der Krisenüberwindung.


Maschinenbaufirmen mit 50 bis 99 Beschäftigten (dunkelrote Linie) erreichten einen überdurchschnittlichen Krisenindikator von 105,0 für eine überdurchschnittliche Krisenbewältigung.

Unterdurchschnittlichen Erfolg in der Krisenbewältigung zeigen Firmen mit 100 bis 249 Beschäftigte (grüne Linie). Ihr Krisenindikator liegt 2019 bei 102,7 und damit unter dem Durchschnitt von 104,7 Indexpunkten.


Maschinenbaufirmen mit 250 bis 499 Beschäftgten (violette Linie) fallen mit einem Krisenindikator von 99,4 knapp unter das Vorkrisenniveau von 2008.

Umsatz je Beschäftigten der Betriebsgrössen im Maschinenbau 2008 bis 2019.

Krisenindikator von Firmen mit 1.000 und mehr Beschäftigten 2019 deutlich unter Vorkrisenniveau

Den Gegenpol bilden die großen Firmen mit 1.000 und mehr Beschäftigten (hellbraune Linie).


Ihr Krisenindikator übertraf das Vorkrisenniveau erst zwei Jahre später 2016, nachdem der Maschinenbau als Ganzes das Vorkrisenniveau überschritten hatte.


2018 fiel ihr Krisenindikator mit 99,9 Indexpunkten wieder auf das Vorkrisenniveau von 2008 zurück.


2019 verschärfte sich diese Entwicklung weiter mit einem Krisenindikator 97,9, der deutlich unter dem Vorkrisenniveau (=100) von 2008 liegt.


Was kommt darim zum Ausdruck?


Vor dem Hintergrund der weltwirtschaftlichen Gemengelage aus Wachstum, Stagnation und Rückgängen mit jährlichen Wachstumsraten in den Industrieländern um 1%, nimmt die Nachfrage nach großen neuen Anlagen ab bzw. stagniert. Bestehende Anlagen werden länger genutzt bzw. nur teilmodernisiert.


Hinzu kommt die Trump-Politik von "America first". Amerikanische Sanktionen gegen Russland, den Iran und in immer größerem Ausmaß gegen China werden als internationales Recht oktroyiert und der Verstoß dagegen geandet. "America first" engt so die Absatzmärkte für nicht amerikanische Konkurrenten ein.


Dies ist der aktuelle "American Way of Life", aus der weltwirtschaftlichen Gemengelage die größtmöglichen Vorteile für amerikanische Konzerne herauszuholen.

Umsatz je Beschäftigten in Euro

Abschließend zur Information noch die absoluten Zahlen für die Kennzahl Umsatz je Beschäftigten.

Umsatz pro Beschäftigten und Betriebsgröße 2008 bis 2019.

Im Branchendurchschnitt liegt der Umsatz pro Beschäftigten bei 235.852 € im Jahr 2019. Seine Spanne in den Betriebsgrössenklassen im Jahr 2019 beträgt 116.351 €, das sind 49% vom Branchendurchschnitt. Sie reicht von 161.547 € pro Beschäftigten bei Firmen mit unter 50 Beschäftigten bis hin zu 277.898 € bei Firmen mit 1.000 und mehr Mitarbeitern.

 


1) Bekanntlich sind Firmen des Verarbeitenden Gewerbes ab 20 Beschäftigte gesetzlich verpflichtet, Produktion, Umsätze, Beschäftigte u.a. an die Statistischen Ämter zu melden. Diese Zahlen sind deshalb sehr zuverlässig.

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