Industrieproduktion Deutschlands 2008 - 2019 April

Industrieproduktion Deutschlands wächst mit 1,5% p.a., Stagnation für 2019 wahrscheinlich

Die Industrieproduktion Deutschlands wird im Trend Magazin bereits untersucht im Zusammenhang mit der Industrieproduktion in den wichtigsten Exportländern. In diesem Report geht es um Deutschlands Industrieproduktion seit dem Vorkrisenjahr 2008 bis zu den aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes.

Update 17. Juni 2019 - Das Diagramm zeigt die Originalwerte des Produktionsindexes über einen Zeitraum von über zehn Jahren von 2008 bis 2019. Die gestrichelte Linie kennzeichnet den Trend der jeweils letzten zwölf Monate. Damit identifiziert er einfach und transparent die Richtung im Verlauf der Industrieproduktion.


Zwei Phasen im Trendverlauf der Industrieproduktion werden sichtbar.

Industrieproduktion Deutschlands von 2008 bis 2019.

Zehn Jahre Industrieproduktion unterteilt in zwei Phasen

Die Industrieproduktion bzw. ihr Trendverlauf benötigte acht Jahre von 2008 bis Ende 2015, um das Vorkrisenniveau von September 2008 (Trend 99,8 Indexpunkte) im Dezember 2015 (Trend 100,0 Indexpunkte) zu übertreffen. Innerhalb dieses Zeitraumes blieb das Wachstum der Produktion in den Jahren 2010/2011 sowie 2014/2015 gemessen am Durchschnitt der jeweils letzten zwölf Monate unter dem Vorkrisenniveau.

Zu Beginn des Jahres 2016 überstieg der Wachstumstrend der Produktion erstmals und beständig das Vorkrisenniveau. Dieses Trendwachstum liegt bei 1,5% pro Jahr von Januar 2016 bis April 2019.  


Seit 2018 aber stagniert der Trend der industriellen Produktion in Deutschland in einem Auf und Ab. Im Oktober 2018 hatte das Trendwachstum mit 106,5 Indexpunkten den höchsten Wert seit der Weltwirtschaftskrise erreicht. Wie der Verlauf der Trendlinie zeigt, überwiegt der flache Verlauf.

Im April 2019 liegt der Durchschnitt der Produktion der letzten zwölf Monate bei 105,2 Indexpunkten. Das ist derselbe Wert wie im Januar 2018.


Wie geht es in der Zukunft weiter?

Stagnation der Industrieproduktion Deutschlands 2019 wahrscheinlich

Im Februar 2019 hat das Trend Magazin festgestellt:

  • "Es ist wahrscheinlich, dass der Wachstumstrend 2019 in eine Stagnation übergeht, die sich zu einer krisenhafte Entwicklung verändern kann."  


Mit den Aprildaten ist dies bereits offensichtlich.


Die Begründung für die wahrscheinliche Stagnation 2019 folgt zunächst aus der Weltwirtschaft, die durch eine Gemengelage aus Wachstum, Stagnation und Rückgang gekennzeichnet ist. Diese Gemengelage trat an die Stelle eines allgemeinen Konjunkturaufschwungs, der früher üblicherweise auf eine Krise folgte. Diese Gemengelage ist labil und die Faktoren ihrer Aufrechterhaltung schwächen sich immer weiter ab. Dazu gehört die galoppierende Staatsverschuldung, deren Fortsetzung immer höhere Risiken schafft. Dazu gehört die Industrieproduktion in China, deren Wachstumsraten sich abschwächen. Dazu gehört die aggressive US-Politik unter Trump und die Herausbildung eines neuen, bipolaren Machtgefüges auf der Welt mit den beiden Hauptpolen USA und China. Alle drei Faktoren engen die Weltwirtschaft ein.  


Die Stagnation der Industrieproduktion 2019 in Deutschland kann auch aus ihrem bisherigen Verlauf als These abgeleitet werden.  


Seit Beginn der Wachstumsphase Anfang 2016 bildete die Produktion immer wieder höhere Hochs und höhere Tiefs aus – typisch für eine Wachstumsphase.  


Aber das änderte sich im Jahr 2018. Die Produktion konnte die Hochs der Vorjahre (117,9 Indexpunkte im November 2017) nicht mehr übertreffen, sie wuchs also nicht mehr stärker. Ihr Spitzenwert in 2018 lag nur mehr bei 113,3 Indexpunkten im November 2018. Gleichzeitig lagen 2018 auch die Produktionstiefs höher als die Tiefs in der Wachstumsphase. Die Produktionsentwicklung flacht sich also ab – beginnende Stagnation. 


Aus der Situation der Weltwirtschaft wie dem bisherigen Verlauf der Industrieproduktion leiten wir die These einer wahrscheinlichen Stagnation der Industrieproduktion für das Jahr 2019 ab. Wie lange diese Stagnation anhält, ist offen. Dass sie von einem erneuten Wachstum abgelöst wird, ist sehr unwahrscheinlich. Dass sie in eine krisenhafte Entwicklung übergeht, also eine erneute Weltwirtschaftskrise ausbricht, ist im ökonomischen und politischen Gesamtzusammenhang wahrscheinlich.

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