WeltwirtschaftPerspektiven > Aktuelle Trends der weltweiten Industrieproduktion

Fünf strukturelle Veränderungen

 

1. Kürzere Abfolge der Wirtschaftskrisen

2. tiefere Krisen

3. längere Krisenüberwindung

4. galoppierende Staatsverschuldung

5. statt Konjunkturaufschwung uneinheitliche Krisenüberwindung, in der Wachstum, Stagnation und Rückgänge der Industrieproduktion koexistieren und eine stagnierende Gesamttendenz erzeugen.


Weltweite Industrieproduktion 2020 Q1

Rückgang im Verlauf der weltweiten Industrieproduktion im ersten Vierteljahr 2020

Symbolbild Weltwirtschaft

Die weltweite Industrieproduktion beleuchten vier Reporte. Dieser Report untersucht quartalsweise die Lage der weltweiten Industrieproduktion und ihre Perspektive. Ein Report behandelt die strukturellen Veränderungen im Verlauf der Industrieproduktion, ein Report beleuchtet die Zeit vom Ausbruch der Wirtschaftskrise bis 2019 und schließlich zeigt ein Report die strukturell veränderte Krisenüberwindung auf.

13. Juni 2020 – Die Auswahl der untersuchten Länder umfasst 82% der Maschinenexporte aus Deutschland. Das sind die drei Ländergruppen Industrieländer (EU, USA, Japan), BRIC Länder (Brasilien, Russland, Indien, China) und MIST Länder (Mexiko, Indonesien, Südkorea und Türkei). Die Analyse der Trends erfolgt auf der Grundlage von fünf strukturellen Veränderungen im Verlauf der Industrieproduktion seit 2000. Diese sind in Stichworten links aufgeführt.

Rückgang der Industrieproduktion in den Industrieländern im Jahr 2019 im ersten Quartal 2020 weiter verschärft

Symbolbild Industrieländer.

Die Gruppe der Industrieländer nimmt 60% der deutschen Maschinenexporte auf.

Im ersten Quartal 2020 (blau-unterlegter Bereich im Diagramm) sinkt die Industrieproduktion in den USA um 2% gegenüber dem Vorjahr 2019, in Japan um 3%, in Deutschland um 4% und in der EU um 4%.

 

Außer in den USA trat bereits 2019 ein Rückgang der Industrieprodutkion in den Industrieländern auf. Die Pandemie hat diesen Rückgang weiter verschärft, aber nicht verursacht. In den USA hatte sich 2019 das Wachstum der Industrieproduktion deutlich abgeschwächt.

Industrieproduktion in den Industrieländern von 2008 bis 2020.

Der Rückgang der Industrieproduktion in Japan, Deutschland und der EU im Jahr 2019 resultiert aus der Gemengelage der Weltwirtschaft, die sich nach der Krisenüberwindung aus Wachstum, Stagnation und Rückgang zusammensetzte.


Aus dieser Gemengelage ging in den Industrieländern Stagnation bzw. nur leichtes Wachstum hervor. So wuchsen nach der Krisenüberwindung die Industrieproduktion in den USA nur um 1,2% jährlich, in Deutschland um 0,3% p.a., in der EU um 0,1% p.a. und in Japan sank die Industrieproduktion um 0,1% jährlich. Dies ist einem Trendreport im Magazin ausgeführt.

In den BRIC Ländern sinkt Chinas Industrieproduktion um 11% gegenüber 2019

BRIC Länder

Die BRIC Ländern nehmen 15% der Maschinenexporte aus Deutschland auf. In China bricht die Industrieproduktion im ersten Quartal 2020 gegenüber 2019 um 11% ein. In der letzten Weltwirtschaftskrise von 2008 hatte das wachsende China den Einbruch der Industrieproduktion in den Industrieländern noch etwas abgeschwächt.


In Russland hingegen kann die Industrieproduktion um 12% zulegen.

Industrieproduktion in den BRIC-Ländern von 2008 bis 2020.

Zu Brasilien und Indien liegen keine Angaben der OECD für das erste Quartal 2020 vor. Es ist wahrscheinlich, dass die Industrieproduktion in Brasilien weiter sinkt.


Das im ersten Quartal 2020 fortgesetzte Wachstum der MIST Länder hat seine Grundlage in der Zeit nach der Weltwirtschaftskrise. Wie der Trendreport in diesem Magazin ausführt

  • wuchs die Industrieproduktion Chinas jährlich um 9% bis 2019
  • diejenige von Indien um 3,4% jährlich und von Russland um 2% jährlich
  • sank die Industrieproduktion Brasiliens um 1,7% jährlich.

Die Industrieproduktion der MIST Länder wächst im ersten Vierteljahr 2020

Industrieproduktion der MIST Länder 2007 - 2014Q1

Die Industrieproduktion in den MIST Ländern mit 6% Anteil am Maschinenexport wächst im ersten Vierteljahr 2020.

 

  • Indonesiens Industrieproduktion wächst weiter im ersten Quartal 2020.

  • Nach zweijähriger Stagnation und Rückgang erreicht die Industrieproduktion der Türkei im ersten Vierteljahr wieder ein deutliches Wachstum.

  • Auch Südkoreas Industrieproduktion wächst nach Stagnation in den beiden Vorjahren wieder.

  • Mexikos Industrieproduktion stagnierte 2017. Seitdem liefert die OECD keine Zahlen zu Mexiko.
Industrieproduktion in Mexiko, Indonesien, Südkorea und Türkei (MIST) von 2008 bis 2020.

Die Prognose für 2020

Der Prozess der Krisenüberwindung der letzten Weltwirtschaftskrise von 2008/2009 führte zu einer weltweiten Gemengelage von Wachstum, Stagnation und Rückgang der Industrieproduktion. Die galoppierende Staatsverschuldung zur Ankurbelung der Nachfrage trieb zwar die Schuldenstände auf Höchststände, die mit ökonomischen Mitteln nicht mehr zu tilgen sind. Neue Konjunkturaufschwünge zu initieren waren diese in den Kreislauf gepumpten gigantischen Geldmengen nicht in der Lage.


Eine neue Weltwirtschaftskrise mit Rückgängen der Industrieproduktion hat sich in den Industrieländern bereits 2019, teilweise schon 2018 entwickelt. Die Pandemie hat diese Entwicklung noch dramatisch verschärft, aber nicht primär verursacht.


Die Perspektive für 2020 wird also mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Weltwirtschaftskrise geprägt sein.


Hinzu kommt ein wesentlicher politscher Faktor. Die „Amerika first“ Politik der Trump Regierung zielt darauf ab, die unangefochtene Weltposition der USA als Nummer eins mit allen Mitteln aufrecht zu erhalten. Diese Politik sieht in China ihren Hauptkonkurrenten für ihre führende Weltposition.


Deshalb ist die gegenwärtige politische Situation in der Welt durch eine Neuordnung und Umstrukturierung der bisherigen Macht- und Einflusssphären geprägt zugunsten der USA oder zugunsten von China. Die USA werden alle ihre Mittel einsetzen, China als Konkurrenten auf allen Gebieten einzuschränken.


Die ökonomischen Auswirkungen dieses Vorgehens werden zu einer Blockbildung der Weltwirtschaft führen und sie damit weiter einschnüren. Das verstärkt Stagnation und Rückgang der weltweiten Industrieproduktion für das Jahr 2020 und darüber hinaus.

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