WeltwirtschaftPerspektiven > Strukturelle Veränderungen

Industrieproduktion der führenden Industrieländer 1980 - 2018

Strukturelle Veränderungen im Verlauf der Industrieproduktion der Industrieländer

In der langfristigen Betrachtung der letzten fast 40 Jahre zeigen sich gravierende strukturelle Veränderungen im Verlauf der Industrieproduktion der führenden Industrieländer USA, Japan, Deutschland und der EU.

Karte Industrieländer

Update 22. Februar 2019, Erstveröffentlichung 12. März 2012 - Ein Blick auf die Industrieproduktion der letzten fast 40 Jahre macht Strukturen sichtbar, die bei einer Betrachtung von Jahr zu Jahr untergehen. Neue Strukturen haben sich tatsächlich in der Vergangenheit herausgebildet und es ist vertretbar, anzunehmen, dass sie mit guter Wahrscheinlichkeit auch in den nächsten Jahren bestehen.

 

Der Verlauf der Industrieproduktion in den führenden Industrieländern USA, Japan, Deutschland und den 27 bzw. 28 EU-Ländern zeigt in den Jahren seit 2000 deutliche Unterschiede im Vergleich zu den davor liegenden 20 Jahren ab 1980.

Die Industrieproduktion wächst kontinuierlich von 1980 bis 2000

Die zwanzigjährige Periode von 1980 bis 2000 zeigt ein insgesamt kontinuierliches Wachstum der Industrieproduktion.

Die weltweite Industrieproduktion von 1980 bis 2000.

 

Jeweils zu Beginn der 80er und der 90er, also in einem Abstand von zehn Jahren, treten Wirtschaftskrisen auf, die zu einem Rückgang der Industrieproduktion führen. Solche Rückgänge dauern nicht länger als ein Jahr und ein bis zwei Jahre später ist das Vorkrisenniveau der Produktion schon wieder übertroffen.

 

Eine Ausnahme davon bildet Japan. Auf das scharfe Wachstum bis 1990 folgt eine zehnjährige Phase der stagnierenden Industrieproduktion. Im Jahr 2000, also 10 Jahre später, ist die Industrieproduktion in Japan kaum vorangekommen.

 

In dieser zwanzigjährigen Periode erlebt die Automatisierungstechnik eine stürmische Aufwärtsentwicklung. Die Elektromechanik wird durch die Mikroelektronik abgelöst und diese bringt immer höher integrierte Komponenten und Lösungen hervor. Kleine, hochinnovative Unternehmen entstehen.

Wachstumsraten schwächen sich zwischen 1980 und 2000 ab

Das kontinuierliche Wachstum in den 20 Jahren von 1980 bis 2000 ist mit abnehmenden Wachstumsraten der Industrieproduktion verbunden. Dies bestätigt ein Blick auf das obenstehende Diagramm. Die Wachstumsraten zwischen den beiden Krisen lagen höher als nach der zweiten Krise 1991/94. Davon bilden nur die USA eine Ausnahme.

Die strukturellen Veränderungen im Verlauf der Industrieproduktion seit 2000

Seit dem Jahr 2000 bilden sich drei strukturelle Veränderungen im Verlauf der Industrieproduktion der Industrieländer heraus.

Die weltweite Industrieproduktion der Industrieländer von 2000 bis 2018.

Die Wucht der Krise 2008/2009 ist einmalig innerhalb der letzten 38 Jahre

2010 befindet sich die Industrieproduktion wieder auf dem Niveau des Jahres 2000. Einen solchen Rückschlag gab es in der zwanzigjährigen Periode von 1980 bis 2000 nicht.

 

Die Dauer zwischen zwei Krisen hat sich halbiert

Zunächst betrug die Dauer zwischen zwei Wirtschaftskrisen, also der Krisenzyklus, 10 Jahre, nämlich von Anfang der 80er zu Anfang der 90er und schließlich zu Anfang des neuen Jahrtausends. Die letzte Wirtschaftskrise aber entstand bereits 2008/2009, vier Jahre, nachdem die Industrieproduktion das Vorkrisenniveau 2004 überschritten hatte.

 

Die Dauer der Krisen hat sich verlängert

Zwischen 1980 und 2000 dauerte der krisenhafte Rückgang der Industrieproduktion ein Jahr und war dann in den folgenden ein bis zwei Jahren ausgeglichen. Aber schon zu Anfang dieses Jahrtausends verlängerte sich die Krisendauer auf drei Jahre. Und die Wirtschaftskrise von 2008/2009 ist erst im sechsten Jahr 2014 in den USA und Deutschland überwunden worden, die EU überschreitet das Vorkrisenniveau knapp 2017 und Japan bleibt deutlich unter dem Vorkrisenniveau.

Wieder sinkende Wachstumsraten seit 2014 im Vergleich zur Zeit zwischen den beiden letzten Wirtschaftskrisen

Auch in den knapp 20 Jahren von 2000 bis 2018 schrumpfen die Wachstumsraten der Industrieproduktion seit der letzten Weltwirtschaftskrise im Vergleich zu der Zeit zwischen den beiden Weltwirtschaftskrisen 2001/2003 und 2008/09. Das oben stehende Diagramm zeigt, dass dies für alle betrachteten Industrieländer gilt.


Diese Tatsache ist für den Ausblick auf 2019 wesentlich.

Die vierte strukturelle Veränderung: Galoppierende Staatsverschuldung

Zu den auslösenden Faktoren der Weltwirtschaftskrise 2008/2009 gehörte bekanntlich das internationale Finanzsystem.

 

Die Wucht der Krise war so heftig und tiefgreifend, dass der Zusammenbruch dieses internationale Finanzssystems unmittelbar bevorstand. Zu seiner Rettung pumpten die Regierungen der Industrieländer gigantische Summen in das Wirtschafts- und Finanzsystem.

Staatsverschuldung in den USA, Japan, Deutschland und der EU von 2000 bis 2017.

Ausblick

Seitdem grassiert eine galoppierende Staatsverschuldung - die vierte strukturelle Veränderung.


Zu der galoppierenden staatlichen Verschuldung gesellt sich eine ebenfalls galoppierende Verschuldung der Unternehmen und Konsumenten. Diese liegt für das Jahr 2017 für Japan bei 156%, für Deutschland bei 107% und für die USA bei 151% des Bruttoszialproduktes.


Verschuldung bedeutet ja nichts anderes als jetzt kaufen und später bezahlen. Wie sähe denn der Verlauf der Industrieproduktion in den Industrieländern ohne die galoppierende staatliche und nicht-staatliche Verschuldung, ohne die galoppierende Kreditfinanzierung der Nachfrage aus?


Und trotz dieser Verschuldung bleiben die Wachstumsraten der Industrieproduktion nach der letzten Krise von 2008/09 niedriger als vorher.


So kann der Ausblick für 2019 in diesem Zusammenhang nur lauten, dass die Zeit des Wachstums aus und nach der Krise beendet ist und Stagnation und Krise die wahrscheinliche Perspektive bilden.

Bookmark and Share