WeltwirtschaftPerspektiven > Wachstumsraten weltweite Industrieproduktion

Stand der Krisenüberwindung zehn Jahre danach

Die Wachstumsraten der Industrieproduktion in Ländern, die 82% der Maschinenexporte aufnehmen

„Amerika erlebt eine wirtschaftliche Blüte“ titelte die FAZ am 11. September 2018. Keine vier Monate später sieht sich die FAZ am 2. Januar 2019 genötigt, eine Umfrage der Bank of America zu zitieren, dass "mehr als die Hälfte der Investoren in den kommenden zwölf Monaten mit einem globalen Wirtschaftsabschwung rechnet." Das entspricht auch unserer Einschätzung.

20. Februar 2019 -  Dieser Report macht die Wachstumsraten bzw. Veränderungsraten der weltweiten Industrieproduktion auf einen Blick sichtbar. Warum gerade Industrieproduktion? Sie ist der wichtigste Konjunkturindikator für Maschinenbau und Automatisierungstechnik.  


Dieser Report berücksichtigt die Länder, die 82% aller Maschinenexporte aus Deutschland im Jahr 2017 aufnahmen. Das sind die EU, die USA und Japan (61%), die BRIC Länder Brasilien, Russland, Indien und China (15%) sowie die MIST Länder Mexiko, Indonesien, Südkorea und die Türkei (6%).

Die jährlichen Wachstumsraten der Industrieländer seit Überwindung der Weltwirtschaftskrise liegen bei rund 1% p.a.

Die Analyse setzt die OECD Angaben zur Industrieproduktion für das Vorkrisenjahr 2008 gleich 100, damit die Veränderungsraten seit diesem Zeitpunkt unmittelbar deutlich und vergleichbar werden.  


Das folgende Diagramm verdeutlicht auf einen Blick, dass die Industrieproduktion von Deutschland seit 2008 um 8,2%, die der USA um 7,1%, der EU um 1,9% gestiegen ist und die von Japan seitdem um 8% gesunken ist.

Der Verlauf der Industrieproduktion in den USA, Deutschland, der EU und Japan von 2008 bis 2018.

Differenzieren wir weiter und identifizieren das Jahr, in dem die betreffenden Länder das Krisentief überwunden hatten. Und berechnen wir die Wachstumsraten erst ab diesem Zeitpunkt bis Ende 2018.

Wachstumsraten der Industrieproduktion von Deutschland, den USA, der EU und Japan 2008 - 2018.

Wir sehen: die jährlichen Wachstumsraten der Industrieproduktion nach Überwindung des Krisentiefs liegen für Deutschland bei 1,0% pro Jahr, für die EU bei 1,0%, für die USA bei 1,1% und für Japan bei 0,1% pro Jahr.

Die Behauptung einer „brummenden Konjunktur“ hält an veralteten Schemata fest und berücksichtigt nicht die strukturellen Veränderungen seit dem Jahr 2000

Diese Zahlen dokumentieren gerade kein „Brummen der Konjunktur“, keinen Konjunkturaufschwung, wie er früher nach Krisen üblich war. Vielmehr hat sich der Konjunktur- und Krisenzyklus der Industrieproduktion in den Industrieländern seit dem Jahr 2000 strukturell verändert, wie dieses Magazin aufgezeigt hat.  


An die Stelle eines früher üblichen Konjunkturaufschwunges nach Krisen ist eine uneinheitliche, schleppende Krisenüberwindung getreten, in der Wachstum, Stagnation und Rückschläge koexistieren und eine stagnierende bzw. temporär nur leicht wachsende Gesamttendenz erzeugen.  


Das Frohlocken einer „brummenden Konjunktur“ ist lediglich eine Mischung aus überholter Mustererkennung und wishful thinking bzw. Promotion einer sogenannten selbsterfüllenden Prognose. Sofern dies bisher Wirkung gezeigt hat, hat es lediglich die Verschuldung von Staat bzw. Zentralbank, Konsumenten und Unternehmen mit einer galoppierenden Verschuldung in neue Höhen geführt.

Die jährlichen Wachstumsraten der BRIC Länder dokumentieren Wachstum und Rückgang mit einer Spanne von 9,3% bis zu -1,9%

Chinas Industrieproduktion hat sich mehr als verdoppelt seit 2008, während die der USA um lediglich 7% gestiegen ist. Diese Kluft ist eine maßgebliche Ursache für die aggressive Politik der Trump-Regierung insbesondere gegenüber China. Es geht dabei um die Eindämmung von China aus Gründen der Konkurrenz und des Weltmachtstrebens der USA, die Nummer eins zu bleiben.

Die Industrieproduktion in Brasilien, Russland, Indien und China (BRIC Länder) von 2008 bis 2018.

Die jährlichen Wachstumsraten der Industrieproduktion in Indien und Russland liegen mit 3,7% und 2,0% mehr als doppelt so hoch wie in den "boomenden" USA.

Wachstumsraten der Industrieproduktion in Brasilien, Russland, Indien und China (BRIC) 2008 - 2018.

Wenn dort schon die Konjunktur brummen soll, wie sehr brummt sie dann in diesen Ländern oder gar in China? Brasiliens Industrieproduktion schrumpft um 1,9% pro Jahr.

Die jährliche Wachstumsraten der MIST Länder reichen von 0,8% bis zu 6,4% pro Jahr

Das Diagramm zeigt auf, dass die Industrieproduktion in der Türkei um 68%, in Indonesien um 55%, in Südkorea um 30% und in Mexiko um 7% seit 2008 bis Ende 2018 gewachsen ist. Das jährliche Wachstum in Mexiko bezieht sich von 2011 bis 2017.

Die Industrieproduktion von Mexiko, Indonesien, Südkorea und der Türkei (MIST Länder) von 2008 bis 2018.

Die jährlichen Wachstumsraten der MIST Länder führt die Türkei mit 6,4% an gefolgt von Indonesien mit 4,5% pro Jahr. Südkorea mit 1,5% und Mexiko mit 0.8% liegen gleichauf mit den Industrieländern.

Die Wachstumsraten der Industrieproduktion von Mexiko, Indonesien, Südkorea und der Türkei von 2008 - 2018.

Haushohe Verschuldung von Staat, Unternehmen und Konsumenten in den USA

Die galoppierende Staatsverschuldung hat dieses Magazin als vierte strukturelle Veränderung aufgedeckt. In den USA hat sie 2018 105% vom Bruttosozialprodukt erreicht.


Die Verschuldung des nicht-staatlichen Sektors, also Unternehmen (außer Banken) und Haushalten liegt bei 150% des Bruttosozialproduktes, wie untenstehende Grafik von einer der FED-Banken zeigt.

Die Verschuldung des Privatsektors in den USA von 1980 bis 2018.
Quelle: Federal Reserve Bank of St. Louis vom 24. September 2018, www.fred.stlouisfed.org

Eine Verschuldung ermöglicht jetzt zu kaufen und später zu bezahlen. Die Entwicklung der Industrieproduktion profitiert natürlich sowohl vom kreditfinanzierten Kauf ihrer Produkte wie auch von ihrer kreditfinanzierten Modernisierung und Ausweitung.


Die heute mit Hilfe modernster Technik riesig gesteigerten Produktionsmöglichkeiten finden offenbar ohne kreditfinanzierte Nachfrage keine komplette Aufnahme. Kann die Bezahlung der Käufe heute durch Bezahlung morgen nicht mehr wegen Überschuldung gewährleistet werden, reißt die Kreditkette, eine Geldkrise bricht aus und die auf kreditfinanzierten Output berechnete Produktion erstickt an ihrem eigenen Übermaß - in Gestalt einer Weltwirtschaftskrise.

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