WeltwirtschaftPerspektiven > Wachstumsraten weltweite Industrieproduktion

Stand der Krisenüberwindung elf Jahre danach

Die Wachstumsraten der Industrieproduktion in Ländern, die 82% der Maschinenexporte aufnehmen

20. Oktober 2021 - Dieser Report macht die Wachstumsraten bzw. Veränderungsraten der weltweiten Industrieproduktion auf einen Blick sichtbar. Warum gerade Industrieproduktion? Sie ist der wichtigste Konjunkturindikator für Maschinenbau und Automatisierungstechnik.  


Dieser Report berücksichtigt die Länder, die 82% aller Maschinenexporte aus Deutschland im Jahr 2019 aufnahmen. Das sind die EU, die USA und Japan (61%), die BRIC Länder Brasilien, Russland, Indien und China (16%) sowie die MIST Länder Mexiko, Indonesien, Südkorea und die Türkei (5%).


Die OECD hat die Daten zur Industrieproduktion auch für 2019 aktualisiert. Diese Aktualisierung halbierte die Wachstumsraten der USA und steigerte leicht die Wachstumsraten von Deutschland, der EU und Russland im Vergleich zu unserer Analyse von März 2020. Deshalb haben wir diesen Report den aktualisierten OECD Daten angepasst.

Die jährlichen Wachstumsraten der Industrieländer seit Überwindung der Weltwirtschaftskrise reichen von minus 0,1% bis 0,4%

Die Analyse setzt die OECD Angaben zur Industrieproduktion für das Vorkrisenjahr 2008 gleich 100, damit die Veränderungsraten seit diesem Zeitpunkt unmittelbar deutlich und vergleichbar werden.  


Das folgende Diagramm verdeutlicht auf einen Blick, dass die Industrieproduktion von Deutschland seit 2008 um 3,6%, die der USA um 4,8%, der EU um 1,3% gestiegen ist und die von Japan seitdem um über 10% gesunken ist.

Der Verlauf der Industrieproduktion in den USA, Deutschland, der EU und Japan von 2008 bis 2019.

Differenzieren wir weiter und identifizieren das Jahr, in dem die betreffenden Länder das Krisentief überwunden hatten. Und berechnen wir die jährlichen Wachstumsraten erst ab diesem Zeitpunkt bis Ende 2019.

Wachstumsraten der Industrieproduktion von Deutschland, den USA, der EU und Japan 2008 - 2019.

Die jährlichen Wachstumsraten der Industrieproduktion nach Überwindung des Krisentiefs liegen für Deutschland bei 0,4% pro Jahr seit 2011, für die EU bei 0,8% seit 2011, für die USA bei 0,6% seit 2013 und für Japan bei minus 0,2% pro Jahr seit 2010.

Von einer stagnierenden bzw. nur leicht wachsenden Tendenz in den Industrieländern zur Krise

Diese Zahlen dokumentieren keinen Konjunkturaufschwung, wie er früher nach Krisen üblich war. Vielmehr hat sich der Konjunktur- und Krisenzyklus der Industrieproduktion in den Industrieländern seit dem Jahr 2000 strukturell verändert, wie dieses Magazin aufgezeigt hat.  


An die Stelle eines früher üblichen Konjunkturaufschwunges nach Krisen ist eine uneinheitliche, schleppende Krisenüberwindung getreten, in der Wachstum, Stagnation und Rückschläge koexistieren und eine stagnierende bzw. bis 2018 nur leicht wachsende Gesamttendenz erzeugen.


2019 befindet sich die Industrieproduktion in Deutschland, der EU und Japans in einer Krise, wie das Diagramm zeigt.

Die jährlichen Wachstumsraten der BRIC Länder dokumentieren Wachstum und Rückgang mit einer Spanne von 9,0% bis zu -1,7%

Chinas Industrieproduktion hat sich seit 2008 veranderthalbfacht, während die der USA um lediglich knapp 5% gestiegen ist. Diese Kluft ist eine maßgebliche Ursache für die aggressive Politik der US-Regierung insbesondere gegenüber China. Es geht dabei um die Eindämmung von China aus Gründen der Konkurrenz und des Weltmachtstrebens der USA, die Nummer eins zu bleiben.

Die Industrieproduktion in Brasilien, Russland, Indien und China (BRIC Länder) von 2008 bis 2019.

Die jährlichen Wachstumsraten der Industrieproduktion in Indien und Russland liegen mit 3,4% p.a. und 2,3% p.a. deutlich über denen der USA mit 0,6% p.a.

Wachstumsraten der Industrieproduktion in Brasilien, Russland, Indien und China (BRIC) 2008 - 2019.

Brasiliens Industrieproduktion schrumpft um 1,7% pro Jahr seit 2010.

Die jährliche Wachstumsraten der MIST Länder reichen von 1,6% bis zu 5,6% pro Jahr

Das Diagramm zeigt auf, dass die Industrieproduktion seit 2008 in der Türkei um 66%, in Indonesien um 61%, in Südkorea um 34% und in Mexiko um 17% (bis 2017) gewachsen ist.

Die Industrieproduktion von Mexiko, Indonesien, Südkorea und der Türkei (MIST Länder) von 2008 bis 2019.

Die jährlichen Wachstumsraten der MIST Länder führt die Türkei mit 5,6% seit 2010 an gefolgt von Indonesien mit 4,4% seit 2008 und Südkorea mit 1,6% seit 2010. Wegen fehlender Daten der OECD kann für Mexiko nur 2,3% p.a. von 2011 bis 2017 angegeben werden.

Die Wachstumsraten der Industrieproduktion von Mexiko, Indonesien, Südkorea und der Türkei von 2008 - 2019.

Haushohe Verschuldung von Staat, Unternehmen und Konsumenten in den USA

Die galoppierende Staatsverschuldung hat dieses Magazin als vierte strukturelle Veränderung aufgedeckt. In den USA hat sie 2018 105% vom Bruttosozialprodukt erreicht.


Die Verschuldung des nicht-staatlichen Sektors, also Unternehmen (außer Banken) und Haushalten liegt im dritten Quartal 2019 bei 150.5% des Bruttosozialproduktes, wie untenstehende Grafik von einer der FED-Banken zeigt.

Die Verschuldung des Privatsektors in den USA von 1980 bis 2019.
Quelle: Federal Reserve Bank of St. Louis vom 16. März 2020, www.fred.stlouisfed.org

Eine Verschuldung ermöglicht jetzt zu kaufen und später zu bezahlen. Die Entwicklung der Industrieproduktion profitiert natürlich sowohl vom kreditfinanzierten Kauf ihrer Produkte wie auch von ihrer kreditfinanzierten Modernisierung und Ausweitung.


Die heute mit Hilfe modernster Technik riesig gesteigerten Produktionsmöglichkeiten finden ohne kreditfinanzierte Nachfrage keine komplette Aufnahme. Kann die Bezahlung der Käufe heute durch Bezahlung morgen nicht mehr wegen Überschuldung gewährleistet werden, reißt die Kreditkette, eine Geldkrise bricht aus und die auf kreditfinanzierten Output berechnete Produktion erstickt an ihrem eigenen Übermaß - in Gestalt einer Weltwirtschaftskrise.

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