AutomationTechnologische Trends > Haupttrends Teil 3

"Automatisierungstrends und Marktstruktur" - Teil 3 der dreiteiligen Serie

Wie sich die Marktstruktur der Anbieter von Automatisierungstechnik zuletzt veränderte und künftig verändern wird

Dieser Artikel vervollständigt die dreiteilige Artikelserie. Er verbindet den Übergang von einem immer höheren Integrationsgrad der Automatisierungstechnik mit den gegenwärtigen und zukünftigen Veränderungen in der Marktstruktur der Anbieter von Automatisierungstechnik.

Der Übergang vom ersten zum zweiten Haupttrend der Automatisierung

Teil 3 Artikelserie

6. September 2010 - Die Substitution der Elektromechanik durch Mikroelektronik war der bestimmende Trend in den 1980er und 1990er Jahren. Gleichzeitig aber war dieser Substitutions-prozess schrittweise mit einem immer höheren Integrationsgrad der Mikroelektronik verbunden.

Schließlich trat dieser schrittweise immer höhere Integrationsgrad um das Jahr 2000 als Haupttrend der Automatisierung in den Vordergrund und löste die Substitution der Elektromechanik durch Mikroelektronik als Haupttrend ab.

Wir rufen die bereits erwähnten Beispiele für diesen immer höheren Integrationsgrad in Erinnerung wie

  • PC-Technik, die Steuerung und Bedienung bzw. Visualisierung integriert
  • elektronische Antriebe integrieren Steuerungen („Drive-PLC“) und schließlich auch Sicherheitstechnik

  • Industrial Ethernet integriert Informationsdaten und Steuerungsbefehle für eine umfassende Prozesskontrolle

  • Steuerungs- und Antriebstechnik integriert zu Motion Control mit integrierter Softwareplattform, teilweise ergänzt durch Robotik.


Der Haupttrend der gegenwärtigen Automatisierung überschreitet den Rahmen der Maschine, indem er die integrierte Automatisierung der Maschine mit Service, Wartung und übergeordneter Prozesskontrolle verknüpft und schließlich zu einem Teilsystem der Unternehmenssteuerung wird.

Die Veränderung der Marktstruktur der Anbieter beim zweiten Haupttrend der Automatisierung

Dieser immer höhere Integrationsgrad der Mikroelektronik hat die Marktstruktur der Anbieter von Automatisierungstechnik erneut verändert. Welche wesentlichen Veränderungen zeigen sich?

  • Das Know-how und der Kapitalbedarf für integrierte Lösungen sind höher als bei der Substitution der Elektromechanik durch Mikroelektronik.

  • Die Absatzmärkte für integrierte Lösungen differenzieren sich in Märkte für integrierte Teillösungen und in solche für integrierte Gesamtlösungen. Die jeweiligen Teilmärkte sind kleiner als es noch der einheitliche Absatzmarkt war, den die Substitution der Elektromechanik für die Mikroelektronik schuf.

  • Die Gründungswelle neuer Anbieter ist erschöpft. Stattdessen spezialisieren sich die jungen Anbieter auf integrierte Lösungen.

  • Die Gruppe der jungen Anbieter differenziert sich. Die Mehrzahl bleibt auf integrierte Teillösungen fokussiert. Eine Minderheit, in erster Linie Beckhoff und Bernecker & Rainer wächst in integrierte Gesamtlösungen hinein.

  • Größere Unternehmen wie Schneider Electric kaufen mittelständische Anbieter mit integrierten Teillösungen wie Elau oder Berger Lahr auf, um den Integrationsgrad ihrer Lösungen zu erhöhen.

  • Marktführende Unternehmen wie Siemens verlieren Marktanteile im Maschinenbau. Der angebotene Integrationsgrad ist relativ teuer, da auf einen Breitenmarkt berechnet. Dieser hat sich jedoch differenziert und kann differenziert effektiver bedient werden.

Welcher Typ von Anbieter wird gegenwärtig und künftig begünstigt?

Die Antwort auf diese Frage muss drei Trends miteinander verbinden, nämlich

  1. die Internationalisierung der Produktion
  2. die gegenwärtige Wirtschaftskrise
  3. den Haupttrend zu einem immer höheren Integrationsgrad der Automatisierung.


Die Internationalisierung der Produktion begünstigt international tätige Anbieter mit integrierten Gesamtlösungen. Davon profitieren in erster Linie die großen, marktführenden Unternehmen. Sie automatisieren nicht nur die Produktionsanlagen von großen chinesischen, indischen, russischen, brasilianischen Firmen, sondern die Produktionsanlagen der in fast allen Ländern tätigen Weltkonzerne auf dem höchsten Stand der Technik.


Die Internationalisierung begünstigt auch mittelständische, international tätige Anbieter von integrierten Lösungen mit bestimmten Fokus, die kein Komplettsystem umfassen müssen.


Die gegenwärtige Wirtschaftskrise erleichtert es diesen international agierenden Anbietern, die zeitweiligen Chancen in dynamisch wachsenden Ländern wie den BRIC-Staaten rasch zu nutzen und damit Absatzrückgänge in anderen Ländern zu mildern.

 

Mittelständische Anbieter haben auch künftig Chancen, neue integrierte Teillösungen zu entwickeln. Webbasiertes Troubleshooting ist dafür ein Beispiel, anwendungsoptimierte E/A-Baugruppen ein anderes. Bei geringem Internationalisierungsgrad können dynamische Auslandsmärkte nicht rasch genug genutzt werden. Und die Wirtschaftskrise engt die Absatzmärkte ein, erhöht den Kostendruck und verschärft den Kampf um bestehende und neue Kunden.

 

Schließlich begünstigt die gegenwärtige Situation künftig zwei Typen von Anbietern:

  • den Dienstleister als Outsource-Partner für Maschinenbau, Automatisierungstechnik u.a.

  • den Anbieter, der Automatisierungstechnik für neue Anwendungen einsetzt, Stichworte dazu sind Logistik-Anwendungen, Umweltschutz, alternative Energien.

Die dreiteilige Serie "Automatisierungstrends und Marktstruktur"

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